Historie der Stadt
Vom Marktflecken zum regionalen Unterzentrum
Seit der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1873 hat sich Furtwangen von einem Schwarzwalddorf zu einer lebendigen Hochschulstadt mit industrieller Tradition, innovativem Geist und starkem Gemeinsinn entwickelt. Die folgenden Abschnitte geben einen Einblick in die prägenden Etappen dieser Entwicklung – von der Stadtwerdung über den wirtschaftlichen Wandel bis hin zur Gestaltung einer lebens- und liebenswerten Zukunft.
Stadtrechte und kommunale Identität
Am 5. Mai 1998 feierte die Stadt Furtwangen mit Stolz die Verleihung der Stadtrechte vor 125 Jahren. Dieser Schritt war 1873 ein Meilenstein in der Entwicklung der Gemeinde, die sich mit Entschlossenheit und Weitblick zur Stadt erhob. Bereits seit Jahrzehnten hatte sich das wachsende Dorf um den Stadttitel bemüht – insbesondere seit es in den 1830er- und 1840er-Jahren bereits über 2.000 Einwohner zählte. Ausschlaggebend für die erfolgreiche Stadterhebung war schließlich die Errichtung eines eigenen Rathauses im Jahr 1867 durch den Umbau des ehemaligen Gasthauses „Adler“, womit Furtwangen eine wesentliche formale Voraussetzung erfüllte. Großherzog Friedrich I. verlieh dem Ort im Mai 1873 schließlich feierlich das Stadtrecht.
Diese Entscheidung markierte nicht nur einen administrativen, sondern auch einen identitätsstiftenden Schritt: Furtwangen wurde vom Marktflecken zur Stadt – und damit zum Träger einer wachsenden kommunalen Verantwortung und Selbstbestimmung. In Anlehnung an diese Entwicklung sprach der designierte Bundeswirtschaftsminister Jost Stollmann im Jahr 1998 vom „Modell Furtwangen“. Generationen von Bürgerinnen und Bürgern haben seither durch Tatkraft, Zusammenhalt und Engagement zur Entwicklung dieser Stadt beigetragen.
Wirtschaftliche Grundlagen und industrieller Wandel
Die Grundlage des wirtschaftlichen Aufstiegs Furtwangens bildete die Uhrenherstellung, die im 17. Jahrhundert den Schwarzwald erreichte und im 18. Jahrhundert einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung einleitete. Ein bedeutender Meilenstein war die Gründung der Uhrmacherschule im Jahr 1850, initiiert durch den Gewerbeverein. Diese Einrichtung, deren erster Rektor der bekannte Ingenieur Robert Gerwig war, entwickelte sich später zur heutigen Hochschule Furtwangen University und blieb über die Jahrzehnte Impulsgeberin für Forschung, Lehre und Innovation.
Auch der Handel spielte eine wichtige Rolle in der städtischen Entwicklung. Bereits im 16. Jahrhundert fanden Wochenmärkte statt, die ab 1686 belegt sind. Furtwangen musste dabei teils langwierige Auseinandersetzungen mit den Nachbarstädten Villingen und Triberg bestehen, ehe die Marktprivilegien im Jahr 1761 durch ein kaiserliches Dekret gestärkt wurden. Ab dem frühen 19. Jahrhundert konnten schließlich auch einheimische Händler auf den Wochenmärkten verkaufen, was die lokale Wirtschaft nachhaltig stärkte.
Die Industrialisierung setzte nach der Stadterhebung mit voller Kraft ein: Unternehmen wie Baduf, Furtwängler und Siedle schufen bis zu 2.000 Arbeitsplätze. Die Eröffnung der Bregtalbahn im Jahr 1893 förderte zusätzlich den Warentransport und die Erschließung neuer Absatzmärkte. Trotz eines verheerenden Stadtbrands im Jahr 1857 und wirtschaftlicher Rückschläge in der Zwischenkriegszeit, insbesondere durch die Weltwirtschaftskrise, behauptete sich Furtwangen als Industriestandort und strukturierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich in Richtung Feinmechanik, Apparatebau und Elektroindustrie um.
Bildung, Innovation und gesellschaftliche Entwicklung
Mit der Industrialisierung wuchs auch der Bedarf an Bildungseinrichtungen. Bereits 1911 wurde mit der Friedrichschule ein neues Schulzentrum errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die schulische Infrastruktur eine weitreichende Modernisierung: Das Progymnasium – heute Otto-Hahn-Gymnasium – wurde 1964 errichtet und 1977 in den Oberen Bühl verlegt. Parallel dazu entstand auf dem Ilben die Anne-Frank-Grund- und Hauptschule.
Die Entwicklung der Uhrmacherschule zur Ingenieurschule nach 1945, später zur Hochschule, belegt eindrucksvoll den Wandel Furtwangens zu einem Bildungsstandort mit überregionaler Bedeutung. Die Hochschule ist heute ein bedeutender Standortfaktor und zieht Studierende aus dem In- und Ausland an.
Auch im sozialen Bereich setzte Furtwangen Akzente. Neben dem bereits 1904 errichteten Krankenhaus, das nach einem Brand 1927 neu aufgebaut wurde, kamen in den 1960er-Jahren weitere katholische und evangelische Kindergärten hinzu. Die konfessionellen Spannungen des 19. Jahrhunderts – unter anderem über die Nutzung der Stadtkirche – wurden 1912 beigelegt und wichen einem Miteinander, das die gesellschaftliche Entwicklung bis heute prägt.
Infrastruktur, Wohnraum und kommunaler Zusammenhalt
Die kommunale Infrastruktur wurde ab den 1960er-Jahren unter Bürgermeister Hans Frank gezielt ausgebaut. Wohnsiedlungen, Schulen, Kindergärten sowie das neue Krankenhaus und ein modernes Rettungszentrum prägten diese Phase des Aufbruchs. Im Zuge der Gebietsreform wurden zwischen 1971 und 1973 die Gemeinden Linach, Neukirch, Rohrbach und Schönenbach eingemeindet – ein Zusammenschluss, der sich seither als tragfähige und partnerschaftliche Verbindung bewährt hat.
Die umfassende Investitionstätigkeit brachte die Stadt an die Grenzen ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit. Eine Phase der Haushaltskonsolidierung folgte: In den letzten 15 Jahren konnte der Schuldenstand des städtischen Haushalts halbiert werden. Gleichzeitig nutzte Furtwangen seine Steuerkraft zur gezielten Modernisierung zentraler Infrastruktur: Die Wasserversorgung wurde verbessert, neue Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung errichtet und die Abwasserentsorgung technisch auf den neuesten Stand gebracht.
Die vorbereitende Flächennutzungsplanung wurde abgeschlossen, mehrere Wohn- und Gewerbegebiete erschlossen und wichtige Weichen für eine stabile demographische und wirtschaftliche Entwicklung gestellt. Im Sinne eines generationenfreundlichen Miteinanders wurden Wohnangebote in der Innenstadt geschaffen, um älteren Bürgerinnen und Bürgern die aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.
Stadtbild, Lebensqualität und Zukunftsgestaltung
Seit 1987 engagiert sich Furtwangen intensiv in der städtebaulichen Sanierung der Innenstadt. Ziel war und ist es, die Aufenthaltsqualität zu steigern, den Einzelhandel zu stärken und dem Kaufkraftabfluss entgegenzuwirken. Verkehrsberuhigte Zonen und die Realisierung der Mini-Ost-Tangente entlasten den Stadtkern. Damit wurde ein Rahmen geschaffen, der Handel, Handwerk, Gastronomie und Tourismus neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet.
Furtwangen nimmt seine Rolle als Unterzentrum im Schwarzwald-Baar-Kreis ernst. Eine nachhaltige Grundstücks- und Baupolitik sowie der verantwortungsvolle Umgang mit öffentlichen Ressourcen sichern langfristig die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger. Die Herausforderung der kommenden Jahre besteht darin, mit Augenmaß zu modernisieren, Tradition zu bewahren und den Wandel aktiv zu gestalten – im Sinne einer lebenswerten, zukunftsfähigen Stadt im Herzen des Schwarzwalds.





