Ludwig Zier


Der Oberschwabe Ludwig Zier wird am 23. Juni 1901 in Schwendi im Kreis Biberach geboren. Im Krisenjahr 1930 kommt der junge Zier nach Furtwangen. Von Gutsbesitzer Josef Duffner erwirbt er im Katzensteig ein Sägewerk, das er in den folgenden Jahrzehnten zu einem vorbildlichen Betrieb ausbaut. Er wird zum Säger, wie er sich mit viel Stolz selber nennt.

Mit den Nationalsozialisten hat er nichts am Hut und wird zu ihrem ausgesprochenen Gegner. In der zweiten Kriegshälfte beginnt Ludwig Zier mit dem Schreiben eines politischen Tagebuches, das auf 4000 Seiten seine Abneigung mehr als deutlich herausstreicht. Um sich und seine Familie vor der Gestapo zu schützen, trifft er für dieses Tagebuch umfangreiche Sicherungsmaßnahmen am Haus.

In den letzten Kriegstagen gehört er zu einer kleinen Gruppe von Widerstandskämpfern, die verhindern, dass Furtwangen sinnlos verteidigt und damit zerstört wird. Der neuen Besatzung gegenüber verhält er sich äußerst korrekt und kann deren Vertrauen gewinnen. Sein Tagebuch schreibt er in den nächsten Monaten weiter und wird somit zum 3. Ortschronisten (nach Romulus Kreuzer und Robert Siedle).

Für ihn überraschend wird Zier im Oktober 1945 zum Bürgermeister von Furtwangen ernannt. In den folgenden drei Jahren opfert er sich für seine Wahlheimat Furtwangen auf. Sein täglicher Kampf gilt dem Hunger. Er ist sich nicht zu schade, für die Armen Haustürbesuche zu machen oder in Süddeutschland und der Nordschweiz um Lebensmittel zu bitten. Weihnachtsfeiern für die Kinder werden 1945 und 1946 organisiert. Die Schule wird wieder eröffnet, die Verwaltung wird weiter aufgebaut und die Wirtschaft in Gang gehalten – und sei es nur durch Kompensationsgeschäfte.

Am 4. Dezember 1948 tritt Zier als Bürgermeister zurück, bleibt aber als Stellvertretender Bürgermeister und Gemeinderatsmitglied der Stadt bis 1953 erhalten. Er wird sogar Mitglied des Kreistages. Mit Stadtpfarrer Blattmann setzt er sich für Erbauung der Piuskapelle im Katzensteig ein. Das Amt des Ortsvorsitzenden des Deutschen Roten Kreuzes übt er aus.

Aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit zieht sich Zier im Jahre 1959 aus dem öffentlichen Leben zurück. Die Stadt Furtwangen ernennt ihn am 1. Januar 1960 zum Ehrenbürger. Ludwig Zier stirbt am 13. Mai 1962.